Dress-Code für Sänger

Für manche Chöre, die ihr Weihnachtssingen längst hinter haben und anderes Singen vor sich, habe ich einen Tipp, wie sie die Konzentration der Zuhörenden erheblich verbessern können:

Anders anziehen. Anders, als ich es jetzt erlebte.

Nein, nicht hier im Kreis bei Erik Matz und Co. Da stimmte alles bei den Stimmen im sacralen Raum und der Kleidung der Sänger.

Aber in einem anderen gar nicht so entfernten Kreis mit vielen Chören gab es Erschwernisse für das andachtsvolle Zuhören. Ausgerechnet bei der Sorte Chor, die in großer Kirche große Werke singt.

Jedenfalls ich war abgelenkt durch eine Sopranistin in der zweiten Reihe, die mit ihrer Note dem Dirigenten Konkurrenz machte: Ihre Leidenschaft fürs Singen zeigte sich im Mitdirigieren. Ihre Note hob und senkte sich, wich seitlich aus. Spiegelbildlich zum Dirigenten.

Oder die Männerstimmen. Da gab es auch schwarze Schafe. Die ließen ausgerechnet bei auffälliger Wohlbeleibtheit ihr Jackett offen. So konnte man auch auf die Entfernung ohne Opernglas ihre Zwerchfell-und Bauchatmung bewundern.

Dann die Sache mit den roten Schlipsen. Es gab neben den korrekten, dezenten Schlipsfarben knallrote Schlipse. Sechs. Verstreut auf ganz verschiedene Brustkörbe in verschiedenen Reihen. Nicht als Stimmgruppenmerkmal.

In der ersten Reihe machte mich eine Sängerin nervös mit ihrem Dekollete`. Während die anderen den schwarzen Habitus bis zum Halsansatz trugen, hatte sie eine größere Freifläche für ihren Busen geschaffen. In die Höhe wie in die Breite. Eine einsame Maria Callas.

Das Thema Mitschwingen von Kopf und Oberkörper war auch eins, Im Allgemeinen machen die mir bekannten Chöre einen körperdisziplinierten Eindruck. Hier aber fielen zwei Sängerinnen durch ihre Leidenschaftlichkeit auf: Sie verstärkten durch mitgehende Kopfbewegungen die Bemühungen des Dirigenten. Plus jener Mitsängerin, die ihre Note als Taktstock nutzte.

Meine Idee, wie ich die ersehnte Musik genießen könnte, kam mir reichlich spät: Die Augen zu schließen.

Danach hörte ich sehr befriedende, befriedigende Musik. Mindestens Drei plus.

06. Januar 2026