ZOOM

Ein heutiges Familientreffen findet - noch - in lebendiger Anwesenheit der Mitglieder statt. Jedenfalls meistens.

Jetzt mehren sich die Hinweise darauf, dass diese alte Form durch eine neue abgelöst wird. Durch ZOOM.

Man bleibt einfach zuhause, setzt sich vor den PC und dessen Kameraauge und schon sind alle die Lieben auf der Mattscheibe versammelt und man selbst unten rechts im Kleinformat.

Der Familienmensch von heute spart Reisezeit, Reisegeld und Nerven, macht sich unabhängig von Starkwind, Donnerwetter oder Hitzewellen.

Solch arbeitender Mensch wie ich erlebt den von mir per Zoom angewählten Mitarbeiter der Verwaltung beim zweiten Frühstück - mit beiden Ellenbogen auf dem Tisch. Die Antworten kamen knapp verstehbar. Mit vollem Mund passiert das eben.

Oder ein anderer Fall: Wenn die Tochter sich per ZOOM fortbildet und dabei die Fußnägel lackiert. Sieht ja keiner.

Gestern zoomte ich mit einer jungen Kollegin, die Mutter geworden ist und offenhör- und sichtbar zeitgleich zum Zoomen mit mir ihr neues Gör stillte. Ich ruf die nie mehr an, solange sie stillt.  

Zoom reißt Grenzen nieder – zwischen Zonen, die früher mal Intimzonen hießen.

Diese neue Kultur des ZOOM-Kommunizierens wurde, alldieweil sie preiswerter ist, in Wirtschaftskreisen geboren. Jetzt hat sie die Familientreffen erreicht.  

Dank ZOOM wurden Christine und ich im Auto in einem fünf Stunden-Stau zwischen Maschen und Hamburg einer wichtigen Konferenz im Institut zugeschaltet.

Dank ZOOM werden wir in Ruhe krank oder im Strandkorb sein können und von dort aus konferieren.

Nun googeln wir also nicht nur, sondern zoomen auch.

Zurück zur Familie: „Mein  Gott, wo geht das alles nur noch hin?“ befragte meine Urgroßmutter in Holdenstedt ihr Tagebuch. Man hatte ihr einen kurzen Film gezeigt (schwarz/weiß). Auf dem streckte ihr erstes Enkelkind ihr alle Viere entgegen.

Heute wissen wir wohin es ging. Aber auch nicht, wohin es geht.

07. Juli 2026