Zwischen Berg und tiefem Tal…

…saßen einst zwei Hasen.

Das ist der Liedanfang aus dem Liederbuch „Kilometerstein“. Die Kolumne heute beschäftigt sich mit Menschen, die zwischen Bergen und tiefen Tälern leben.

Das Leben hier in Schöllang bei Oberstdorf ist ein solches. Ein erhebendes Leben. Genau 855 Meter über dem Meeresspiegel leben wir hier auf dem Hemerhof.

Zuhause in Allenbostel leben wir – von den Alpen aus gesehen - tief im Tal:  um die 70 m.

Wir haben unsere langjährigen bayerischen Gastgeber immer wieder zu uns in die Ostheide eingeladen. Sie kamen nicht. Ich habe Ihnen Kolumnen geschickt, in denen ich vom Zuhause und insgesamt von der Heide schwärme. Auch nichts.

Ich erzählte ihnen vom Ausblick, den wir von der Spitze des Wilseder Berges haben: bis in den blauen Dunst der Ferne hinein. Kein Berg verstellt bei uns zuhause den Blick auf die Weite.

Wieder nichts. Hemers - so heißen unsere Gastgeber – lauschen meinen Werbereden für die Ostheide freundlich und neugierig.  Aber sie kleben an ihren Tälern zwischen ihren Bergen.

Es sind weite Täler, nicht so enge wie in der Camana. Camana machte mal die Schlagzeile in einer Psychologie-Zeitschrift, weil aus dem dortigen Tal auffallend viele Fälle von Depressionen bekannt wurden. Wegen des eingeengten Lebens zwischen hohen Bergen.  

Zur Gegenwelt von Depressionen: Ein hiesiger Pfarrer führte seine Gemeinde in einem Prozessionszug hinaus aus dem Tal hoch über die Berge ins benachbarte Tal. Zu Beginn steht er noch von dem Altar, er trägt Stola, schwarzes Hemd und – kniefrei!

Die katholische Kirche öffnet sich zu überraschenderen Freiheiten hin als wir Protestanten. Nie sah ich einen evangelischen Pfarrer in kurzen Hosen vor dem Altar.  

Nun ließe sich die Allgäuer Hitze (28 Grad derzeit) als Grund für die leichte Kleidung anführen. Aber wir hatten doch kürzlich auch 30 Grad im Norden – und kein Kirchenmann zeigte sich in Kniehose oder eine Kirchenfrau im Mini-Rock.

21. Juli 2026