Warum wir so heißen…

…wir wir heißen. 

Die einfache Antwort: Weil unsere Eltern uns so taufen ließen und/oder uns beim Standesamt so anmeldeten. Letzteres war und ist Pflicht. Die Taufe - alldieweil religiös - freiwillig.

Mit welchen Hintergründen gaben unsere Namensgeber uns die Namen?

Einer meiner Großväter wurde – wie zahllose andere Großväter auch - Wilhelm getauft. Sein Vater, ein Zahnarzt in Hannover, war begeisterter Anhänger des Kaiserhauses und seiner beiden letzten Wilhelms.

Der andere Großvater – Maximilian - hatte Eltern, die Fans vom letzten Reichskanzler des alten Reiches waren. Dessen vielen Namen und Titel in Kurzform: Max von Baden. 

Die Verehrung der Mächtigen führte damals zu ganzen Namensschwemmen. Auch Mädchennamen wurden männerbezogen kreiert: Wilhelmina, Maximiliane.

Als ich die Namen zweier meiner Tanten abkürzen wollte (Tante Mina, Tante Maxi) gab es Ärger. 

Was ich heute so auf den Straßen höre, wenn Kinder gerufen werden, lässt mich überwiegend an Haustiere und deren Namen denken. Mia, Polle, Moni, Riki…

Ob ihre Rufnamen so auch in ihren Dokumenten stehen? Ich kann es einerseits sehr wünschen, weil dann dort, wo die EU verlassen wird und Pässe gezeigt werden müssen, Rückfragen unnötig sind.

Als ich zu der Zeit, als Helmut Kohl Bundeskanzler war, in Brasilien auf einem Kongress war, lief mir ein kleines Kind namens Helmut Kohl entgegen. Der hatte gerade großzügig etliche lukrative Geschäfte abgeschlossen und wurde deswegen von den Brasilianern sehr verehrt. Da Brasilien eines der großzügigsten Länder in Bezug auf Namensgebung ist, wurde der Verehrung für ihn so Ausdruck verliehen.

Ich komme bei einer Passkontrolle so gut wie nie ohne Probleme durch. Denn die Namensgeber meiner Familie gaben den ältesten Söhnen Doppelvornamen. Nach dem Krieg mit den vielen Gefallenen wurde folgende Ausnahmeregelung erlaubt: Den bereits getauften und standesamtlich erfassten Söhnen durften die Namen ihrer gefallenen Väter nachträglich implantiert werden. Zusätzlich.  

So laufen immer noch einige mit Dreifach-Rufvornamen rum und fallen auf. Ich auch. Glücklicherweise nur an Außengrenzen. Inzwischen sind einige Standesämter einiger Bundesländer zu großzügigerer Toleranz aufgerufen worden und befolgen diese sogar. Kürzlich lernte ich einen neuen Kollegen aus Dschibuti kennen. Seine Vornamen sind noch exotischer als sein Herkunftsland. 

Da habe ich schon Mitgefühl mit den Standesämtern.

01. September 2026